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Romeropreis 2012

Preisverleihung 2012

Pfarrer Martin Römer erhält 2012 den Romeropreis. Der gebürtige Waldviertler war im Oktober 2011 auf Heimatbesuch. Bernhard Herzberger führte mit dem Preisträger ein ausführliches Gespräch. Auch Sie können dringend notwendige Projekte von Martin Römer in Mexiko fördern.

 

Romero-Preisträger 2012: Martin Römer


Am Rand der Millionenstadt Mexiko City leitet Martin Römer die Comunidad Emaús San Miguel Topilejo. Die Gemeinschaft führt ein Haus für Kranke, pflegebedürftige Alte und Behinderte. Gleichzeitig ist der gebürtige Waldviertler Seelsorger in einer 20.000 Seelen-Gemeinde und Caritas-Verantwortlicher seines Vikariats. Für sein vielfältiges Engagement ist er für den Romeropreis 2012 der KMB Österreich designiert.
 
Wie wird der Sohn eines Landwirts, geboren 1966 in Groß Siegharts im Waldviertel, Missionar in Mexiko? Die Liebe zu Lateinamerika entdeckt Martin Römer während seines Theologiestudiums in Spanien. Studienkollegen aus Südamerika wecken sein Interesse für die Region. Über die päpstlichen Missionswerke wird er auf die Arbeit des Jesuitenpaters Roberto Guevara aufmerksam, der am Stadtrand von Mexiko City an der Seite der Müllarbeiter lebt. Nach dem ersten Jahr als Neupriester 1992/93 in St. Valentin fährt er ihn besuchen. Im Urlaub lernt Römer das Projekt des Jesuitenpaters kennen: Die Kindergärten, das Gesundheitszentrum. Sie feiern mit den Menschen Gottesdienst auf den Müllhalden von Mexiko City.

Doch dann kommt es zu einem folgenschweren Unfall: Bei einer Bergtour auf den 5.462 m hohen Popocatépetl bekommt der junge Priester auf 5.000 m einen Höhenkoller, verliert das Bewusstsein und rutscht 300m über ein Eisfeld ab. Mit dem Hubschrauber transportiert man ihn ins Krankenhaus. Erst nach zwei Wochen und einer Operation am Kopf ist sein Zustand so stabil, dass er nach Österreich geflogen werden kann.

Dank für die Rettung
Noch während seiner Genesung in einem Wiener Spital beschließt Martin Römer wieder nach Mexiko zu reisen, um all jenen zu danken, die ihm das Leben gerettet haben. Ein Jahr später ist es soweit. Zurück im Mexiko bittet Pater Roberto Guevara den Österreicher, ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen. Der St. Pöltner Bischof erteilt die Erlaubnis. Römer besucht ein Jahr lang die Müllarbeiter mit ihren Familien, spendet ihnen die Sakramente. Dann übernimmt er die neu gegründete Pfarre San Martin de Porres in Cimalhuacán.  Nach sieben Jahren kehrt er für kurze Zeit nach Österreich zurück: Als Provisor in der Pfarre Langschlag.

Schon 2003 geht Martin Römer aber wieder nach Mexiko, sammelt diesmal Erfahrungen in der Gefangenenseelsorge und der Nachbetreuung von Haftentlassenen. Gemeinsam mit einigen Freunden gründet er schließlich die „Comunidad Emaús“ mit dem Ziel, hilflosen Personen ohne Familienanschluss die Hand zu reichen. 2004 erwerben sie zu diesem Zweck in der Pfarre San Miguel Topilejo ein leer stehendes Haus.
 
Ein Haus für die Behinderten, Alten, Pflegebedürftigen
Am Rand der Millionenstadt Mexiko City betreut die Gemeinschaft Behinderte und Pflegebedürftige: von ihren Familien verlassen, ausgesetzt, misshandelt oder missbraucht. „Sie werden uns von der staatlichen Fürsorge, der Caritas, oder von Nachbarn vermittelt, die darauf aufmerksam geworden sind, dass jemand allein lebt, unter unzumutbaren Umständen“, erzählt Martin Römer.

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren beherbergt die staatliche Fürsorge. Mit Erreichen der Volljährigkeit werden sie entlassen. Kranke oder behinderte Jugendliche vermittelt man an andere Institutionen, die weiterhin für sie sorgen. So wie Marisol. Mit 18 bei Emaús gelandet, verbringt sie hier ein Jahr. Mit Glück machen Sozialarbeiterinnen der Fürsorge ihre Tante ausfindig. Die Wiedereingliederung in die Familie gelingt.

In Mexiko haben viele Menschen keine Krankenversicherung. Einer davon ist Macario. Jaime Ortega, Präsident von Emaús findet ihn in Cimalhuacan auf der Straße. Schwer gezeichnet von seiner Diabetes-Erkrankung kann er wegen seiner blutenden Geschwüre am Bein nicht mehr aufstehen. Er findet im Haus von Martin Römer eine Bleibe, sein Fuß ist inzwischen geheilt…

In dem vierstöckigen Haus werden 30-35 Leute betreut. Sieben BetreuerInnen, eine davon  Krankenschwester, kümmern sich Rund um die Uhr. Eine Ärztin, die im öffentlichen Gesundheitszentrum arbeitet, versieht ehrenamtlich Dienst. Andere kommen für einige Stunden oder einen Tag pro Woche, basteln mit den KlientInnen oder lesen ihnen Geschichten vor.

Die öffentlichen Förderungen sind mager. Gut dass es da noch die Spenden aus Europa gibt:  Von der Fastenaktion der Diözese St. Pölten, aus verschiedenen  Pfarren und von Privatpersonen. Unterstützung hat Martin Römer dringend notwendig: Das unterste, bisher leer stehende Geschoß des Hauses, wird behindertengerecht ausgebaut. Im Eingangsbereich im vierten Stockwerk entsteht eine kleine Ordination für die Ärztin und ein Büro. In Zukunft sollen 50 Wohn- und Pflegeplätze zur Verfügung stehen.

Aufzug derzeit nicht leistbar!
„Unbedingt bräuchten wir einen Aufzug, der die vier Stockwerke miteinander verbindet“, sagt Martin Römer. Aber dafür reicht das Geld nicht! „Der Lift brächte enorme Arbeitserleichterung. Er ist eigentlich unabdingbar für unsere Zielgruppe“, sagt Martin Römer.

Zu schaffen macht auch der Mangel an sauberem Wasser. Die öffentliche Leitung reicht nicht bis zum Haus. Frisches Wasser kommt mit dem Tankwagen. In einer Regenwasserzisterne wird für Trockenzeiten Nutzwasser gespeichert. Die intensive Pflege der Gäste steigert den Verbrauch. Nun soll in einer zweiten Zisterne auch das Wasser aus den Duschen und den Waschbecken gefiltert, gespeichert und in den WC-Anlagen zum Einsatz kommen.

„Bei der Versorgung von Pflegebedürftigen haben wir in Mexiko einen großen Aufholbedarf“, weiß Martin Römer. Deshalb will er sich um diese Menschen weiter verstärkt kümmern. „Bei optimaler Nutzung des Hauses könnten es einmal 60 Plätze sein“, rechnet er vor.

Mit zwei weiteren Aufgaben ist Martin Römer gut ausgelastet: Als Seelsorger wirkt er seit Juni des Vorjahres in der 20.000-Seelen Gemeinde San Marcos Evangelista im benachbarten Xochimilco. Und ebenfalls seit 2010 koordiniert er die Arbeit der Caritas im Vikariat Süd von Mexico City – eine große Herausforderung in einem Land, in dem 40-50 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben.

Sie können die Arbeit von Martin Römer in Mexiko unterstützen:
Konto 1.223.700 bei der Raiffeisenbank St. Pölten (BLZ 32585) lautend auf KMB - SSF St. Pölten. Kennwort: Martin Römer

Jede Spende hilft! Danke.